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Ein Team im Team: Die Mannschaftsbetreuer
Entschuldigung, wo und wann müssen wir spielen? Wann fährt der Bus zurück zum Hotel? Wo können wir unsere Trikots waschen lassen? Wo gibt es denn den nächsten Zahnarzt? Können wir auch Wasser ohne Kohlensäure bekommen? Mit diesen Fragen und noch vielen mehr werden sie am Turnierwochenende gelöchert – Und das nicht nur auf deutsch, sondern auch auf englisch, spanisch, portugiesisch, griechisch, türkisch, oder auf welcher Sprache auch immer: Die Mannschaftsbetreuer aus den Reihen des Turnier Teams.
Jede teilnehmende Mannschaft des Pfingstturniers bekommt gleich zu Beginn ihres Aufenthaltes in Stemwede ein zweiköpfiges Betreuerteam an die Seite gestellt. Diese Betreuer helfen den Teams zum Beispiel sich auf der Sportanlage zurechtzufinden, oder auch organisatorische Details, wie etwa den Zeitplan einzuhalten. „Einige Vereine die anreisen, haben nicht mal eine Person in ihren Reihen, die Englisch sprechen kann“, sagt Rainer Kröger vom Turnier Team, der jedes Jahr im Vorfeld des Turniers die Betreuer den Teilnehmern zuteilt. „Deshalb versuchen wir möglichst immer einen Betreuer zu stellen, der auch die Landessprache des jeweiligen Vereins spricht. Glücklicherweise bieten sich Jahr für Jahr diese Sprachtalente an“, so Kröger, dem mit Blick auf den unermüdlichen Einsatz der Betreuer zum Teil die Worte fehlen. „Die Personen, die sich jedes Jahr anbieten eine Mannschaft zu betreuen, haben zum Teil gar nichts mit dem TuS Stemwede zu tun. Die machen das, weil sie Lust dazu haben und weil sie dabei neue, interessante Menschen kennenlernen – Zumindest glaube ich, dass das Gründe sein könnten.“

Angeles und Wolfgang Kemper, zum Beispiel, sind nicht nur an Pfingsten, sondern auch darüber hinaus ein eingespieltes und harmonierendes Paar und Spanienexperten. In den vergangenen Jahren fungierten die zwei vor allem als Begleiter der Truppe von RCD Mallorca. Egal ob Verständigungsprobleme im Hotel, der Organisation von Bustransfers zum Sportgelände und zurück, oder auch das Dolmetschen im Interview bei Stemwede TV – Alles Aufgaben denen die beiden bislang immer gewachsen waren. Auch Jorges de Cruzes und Paulo Albuquerque gehören seit Jahren zum Team. Speziell die Brasilianer und alle portugiesisch sprechenden Mannschaften sind die Steckenpferde der beiden Lemförder – Im vergangenen Jahr war es beispielsweise das Team von America FC. Auch wenn die beiden bislang mit jeder Mannschaft zurecht gekommen sind, wird hinter den Turnierkulissen gemunkelt, dass Jorges darauf wartet, irgendwann einmal Benfica Lissabon in Stemwede betreuen zu dürfen. Ebenfalls zwei die sich seit Jahren bei ihrer Betreuertätigkeit nicht nur sprachlich ergänzen, sind die beiden Wehdemer Hermesindo Conde Des und Victor Boldt. Sie standen zuletzt zum Beispiel an der Seite von Hertha BSC. Dabei zeigt sich auch, dass in Sachen Pfingstturnier die vereinsübergreifende Zusammenarbeit am Stemweder Berg ohne Probleme funktioniert: Victor spielt selbst noch aktiv Fußball beim Nachbarverein TuS Dielingen, er hängt sich aber auch jedes Jahr aufs Neue für den TuS Stemwede rein, sei es als Mannschaftsbetreuer oder auch als Keeper beim Elfmeterschießen am Freitagabend. „Das ist nicht selbstverständlich“, so Rainer Kröger vom Turnier Team. Ebenfalls nicht selbstverständlich sind die vielen Stunden an Freizeit die sämtliche Helfer des Pfingstturnieres opfern. Der Job als Betreuer ist dabei nicht selten ein Fulltime-Job. Denn häufig beginnt ihre Arbeit schon bei der Ankunft der Mannschaften am Flughafen und endet erst nach der Siegerehrung und der anschließenden Party. Auch Jürgen Döhnert und Ingo Wehmeyer – die beiden Experten für englische Teams – können davon ein Liedchen singen. Wenn es die Zeit der beiden zulässt, stehen sie als Betreuer parat. Auch mal für das ein, oder andere Abschlussbierchen zusammen mit den Mannschaftsdelegationen an der Hotelbar. Diese Momente sind sicherlich ein absolutes Schmankerl für alle Mannschaftsbetreuer. Schließlich hat man so die Chance, mehr über Menschen, Vereine und Kulturen herauszubekommen. Ähnliche Motivationsgründe müssten auch Arne Siebe, Dennis Höber oder auch Thorsten Möller immer wieder dazu bewegen, sich als Betreuer zur Verfügung zu stellen.

„Ich kann gar nicht alle Vereine aufzählen, die ich schon betreut habe“, sagt Günter Kröger, der so gut wie von Anfang an dabei ist. Dänen, Holländern und verschiedene Bundesligisten hat er in den vergangenen Jahren geholfen, in Stemwede klar zu kommen. „Das hat mit allen Vereinen gut geklappt. Ich glaube, ich hatte in all den Jahren gerade mal zwei Knurrköppe dabei. Das waren jeweils die Trainer – von welchen Vereinen sage ich aber nicht“, schmunzelt Günter Kröger. „Die waren anfangs noch sehr nett, doch dann hat ihre Mannschaft verloren und von da an wurde nur noch rumgeknurrt.“ Als alteingesessener Betreuer hat Günter Kröger nicht nur mit vielen Vereinen zu tun gehabt, sondern auch immer mal wieder mit neuen Partnern. „Die letzten Jahre arbeite ich mit Jörg Holsing zusammen. Das klappt wunderbar“, verpasst Kröger seinem Partner einen verbalen Schulterklopfer. Allerdings scheint die Harmonie im Betreuerteam auch auf die jeweiligen Vereine überzuspringen. So haben sich schon zwischen manch einem Trainer- und Betreuergespann über die Jahre echte Freundschaften entwickelt. „Außerdem hat man in den Jahren etliche Kontakte geknüpft“, so Kröger, der ebenfalls seit Jahrzehnten als Jugendbetreuer beim TuS Stemwede aktiv ist. „So durfte ich beispielsweise mit meiner E-Jugend schon zwei Mal ein Vorspiel im Bremer Weserstadion machen. Einmal sogar vor dem Bayernspiel. Da habe ich an der Seitenlinie auch Paul Breitner kennengelernt“, schwärmt Günter Kröger.
Auch Ralf Strümpler kann von solchen Geschichten erzählen. „Ich denke, ich betreue bereits seit 14 Jahren Mannschaften beim Pfingstturnier“, sagt der bekennende Gladbach-Fan, ohne aber genau über seine jeweiligen Einsätze Buch geführt zu haben. „Da war Gladbach dabei, Rostock, Wolfsburg, Kaiserslautern, Freiburg, Twente Enschede und anfangs auch Nürnberg“. Zuletzt bildete der Haldemer mit Dennis Höber ein Betreuerteam – ebenfalls ein langjähriger Turnierhelfer und ebenfalls ein „Borusse im Herzen“. Klar, dass es in dieser Zeit einige Highlights gab. „Einmal musste ich mit einem Gladbacher Spieler zum Zahnarzt. Und zwar war das damals Sebastian Deisler“, so Fohlen-Fan Strümpler. „Und vor etlichen Jahren war auch Barmbeck-Uhlenhorst zu Gast in Stemwede. Mit Andreas Brehme“, ergänzt er. „Die Mannschaft hatte damals im Gemeindehaus in Haldem übernachtet. Und um abzukürzen, sind die Spieler in ihren roten Trainingsanzügen über eine Weide mit Bullen gelaufen. Und die ganzen Viecher hinterher“, so eine weitere von Ralf Strümplers Geschichten aus vielen Turnierjahren.
Ein Betreuerteam fiel im vergangenen Jahr unter anderem durch ihre emotionalen Momente auf: Die Mannschaftsbetreuer des SV Werder Bremen, Anna-Lena Herlein und Friedrich Hagemeier. Sie in den zarten Zwanzigern – Er ein stolzer Jubilar, der in diesem Jahr zum siebten Mal genullt hat! Anna-Lena linderte im vergangenen Jahr die Schmerzen eines Werder-Spielers. Er hatte sich bei einem Foul im Halbfinale schwer am Bein verletzt. Doch mit der attraktiven Blondine an der Seite verging die Zeit des Wartens auf den Notarzt zumindest etwas schneller. Auch SV Werder-Fan Friedrich „Fitten“ Hagemeier packten die Emotionen, als sich sein Verein, der SVW, den „Volksbank-Cup 2008“ sicherte. Die ganze Mannschaft versammelte sich daraufhin samt Pokal um ihren mächtig stolzen Betreuer und sang und tanzte für ihn. Da rollte schon die ein, oder andere Träne.

 
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