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Stemwede ist da, wo die Welle startet

Das Turnier Team des TuS Stemwede und die Lebenshilfe Lübbecke erleben das WM-Finale der Menschen mit Behinderungen live in Leverkusen. Für eine Gruppe des Stemweder Turnier Teams und der Lebenshilfe Lübbecke sollte es der krönende Abschluss ihrer Weltmeisterschaftsbemühungen werden.

Nachdem das WM-Vorrundenspiel zwischen Russland und Japan, Anfang September in Stemwede-Wehdem, so begeisternd über die Bühne ging, stand am Wochenende (Samstag, 16. September) das großartige Finale einer großartigen WM, in der BayArena in Leverkusen an.

Die Hauptakteure an diesem Tag: Die beiden Teams, die es bis ins Endspiel geschafft hatten – Auf der einen Seite die Niederlande, auf der anderen Seite, die Überraschungsmannschaft aus Saudi-Arabien, der spätere Weltmeister. Es war das Duell der sportlichen Überflieger dieser WM und es war mit Sicherheit eine der packendsten Partien der Weltmeisterschaft.

Doch auch die Gruppe aus Stemwede und Lübbecke sollte ihren Teil zu einem gelungenen Finale beitragen. Für viele aus der Reisegruppe „Leidenschaft“ – diesen Namen gab man sich selbst – war es nicht nur der erste Abstecher in das kleine, aber feine Leverkusener Stadion, für die meisten war es auch der erste Besuch eines echten WM-Finales. Und es war alles weltmeisterlich vorbereitet: strahlender Sonnenschein, blauer Himmel dazu beste Plätze und perfekte Sicht auf das Geschehen in der BayArena. Rund 14.500 Zuschauer wollten das Endspiel der Menschen mit Behinderung live erleben. Unter ihnen auch zahlreiche Ehrengäste, wie beispielsweise der Schirmherr der Fußball-WM der Menschen mit Behinderung, Ex-Kanzler Gerhard Schröder.

Viel Applaus und Jubel gab es dann bereits nach 14 Minuten, als die Niederlande mit 1:0 in Führung gingen. Das Tor war gleichzeitig der Startschuss für den Stemweder-Stimmungsmacher Holger Hilgemeier. Bereits beim WM-Vorrundenspiel in Stemwede, hatte er die „Laola-Welle“ durch die „Ernst-Zobel-Kampfbahn“ gejagt. Gleiches sollte in der BayArena in Leverkusen gelingen. In der 20. Spielminute und nach nur zwei Versuchen, hatten es Hilgemeier und seine Anpeitscherkollegen aus Stemwede geschafft: Die „Laola“ ging durchs Stadion, für gleich mehrere Runden.
Stimmungstechnisch kam keine Langeweile auf und auch sportlich ging es rund. Holland führte zwischenzeitlich mit 3:0 und sah bereits wie der sichere Weltmeister aus. Doch kurz vor der Pause begann dann die Show des Omer Kassar aus Saudi-Arabien. Er sorgte in der 39. Minuten für das erste Tor der Saudis und für den 3:1-Halbzeitstand. Und es sollte munter weitergehen. Die Teams standen noch nicht ganz auf dem Platz, da hatte der quirlige Spieler mit der Nummer 17 erneut zugeschlagen – der Anschlusstreffer zum 3:2. Die zweite Halbzeit hatte es in sich. Holland erhöhte auf 4:2, doch die Saudis kämpften mit ungebrochenem Siegeswillen weiter. Und das sollte belohnt werden: Es war erneut Omer Kasser, der die Saudis in Richtung Weltmeistertitel schoss. Mit einem Doppelpack und seinen Toren drei und vier, sorgte er für ein 4:4-Unentschieden nach 90 Minuten und für weitere 30 Minuten Spielzeit in der Verlängerung. Und beide Teams suchten die Entscheidung noch vor dem Elfmeterschiessen. Doch die zusätzliche Spielzeit blieb torlos, allerdings flog ein Niederländer nach wiederholtem Foulspiel mit gelb-rot vom Platz. Die Entscheidung musste also vom Elfmeterpunkt fallen.

Die ersten vier Schützen jeder Mannschaft verwandelten sicher und unhaltbar. Der fünfte Schütze der „Oranjes“ zeigte dann aber Nerven. Sein Schuss konnte der Saudi-Keeper parieren, was für Jubel auf dem Platz und auf den Rängen sorgte. Und es schien sich eine Fußballweisheit einmal mehr zu bewahrheiten: Holland wird niemals Weltmeister. Der fünfte Schütze für Saudi-Arabien machte die Überraschung perfekt. Er traf und sicherte den Saudis damit den Fußball-Weltmeistertitel der Menschen mit Behinderung.
 
Was dann passierte, war nicht anders als bei der FIFA-WM: Grenzenloser Jubel auf Seiten des Siegers, komplette Enttäuschung bei den Verlieren. Der Weltmeisterpokal wurde überreicht und eine Ehrenrunde jagte, die nächste. Doch auch die niedergeschlagenen Niederländer wurden mit Applaus von den Rängen in die Kabine begleitet. Die Reisegruppe „Leidenschaft“ aus Stemwede und Lübbecke hatte auf jeden Fall ihre Aufgabe weltmeisterlich erledigt und beide Teams während des Spiels angefeuert. Auch wenn am Ende, wie bei den meisten Zuschauern, die Sympathien eher auf Seiten der Saudis lagen. Die „Laola“ wanderte im Übrigen noch das ein, oder andere Mal, ausgehend vom Fanblock „Leidenschaft“, durchs Stadionrund.

Nach dem Spiel ging es direkt zur „WM-Party der Nationen“ in die „Wilhelm-Dopatka-Halle“ gegenüber der BayArena. Dort versammelten sich noch einmal alle Mannschaften sowie zahlreiche Organisationskomitees der einzelnen Spielorte und Ehrengäste. Für die Stemweder gab es ein Wiedersehen mit Sängerin Amy Elaine, Moderator Uwe Hübner, den Mannschaften aus Japan und Russland und vielen weiteren Bekannten. So wurde auch Christoph Daum um ein „Mannschaftsfoto“ mit den Stemwedern gebeten. Daum hatte die WM der Menschen mit Behinderung als Co-Trainer der deutschen Nationalmannschaft miterlebt. Die deutsche Mannschaft erntete an diesem Tag im Übrigen sehr viel Applaus für ihren sensationellen dritten Platz bei der WM - zuerst ließen sich die Jungs von Trainer Willi Breuer auf der Ehrenrunde im Stadion, während der Halbzeit feiern, später auf der WM-Party wurde ihnen dann auch noch einmal auf der Bühne zugejubelt.

Für das lokale WM-Organisationskomitee des Stemweder Turnier Teams und der Lebenshilfe Lübbecke war das Finale in Leverkusen, das i-Tüpfelchen auf sämtlichen Weltmeisterschaftsbemühungen. Die viele Arbeit, die in dieses Event der Menschen mit Behinderung investiert wurde, hatte sich bereits nach dem Vorrundenspiel in Wehdem, am 4. September ausgezahlt. Doch das Finale und die WM-Party dann noch einmal mitzuerleben, war für alle aus der Gruppe „Leidenschaft“ der krönende Abschluss einer tollen WM. Und der Gewinner sind ganz sicher nicht nur die Jungs aus Saudi-Arabien allein, sondern sämtliche Menschen mit Behinderung. Denn diese WM hat einen weiteren, wichtigen Schritt für die Integration behinderter Menschen getan. 
 

 
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