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Mönchengladbach, Stemwede, München, Hamburg Vom Jugend- zum Nationalspieler - Die Stationen des Marcell Jansen
Als junger Spieler hatte er 2003 und 2004 mit Borussia Mönchengladbach in Stemwede auf sich aufmerksam gemacht hat: Marcell Jansen. Seitdem hat er nicht nur sportlich eine tolle Entwicklung genommen, sondern auch in repräsentativer Hinsicht. So hat sich der Fußballprofi – inzwischen beim HSV unter Vertrag – im Vorfeld des „Volksbank-Cups 2009“ als „Glücksfee“ bereitgestellt und die diesjährigen Vorrundengruppen ausgelost. Im Folgenden gibt es einen kurzen Überblick über die Stationen des Marcell Jansen.
Seine fußballerischen Anfänge macht der am 4. November 1985 geborene Marcell in der Jugend von SV Mönchengladbach 1910. Im Jahr 1993 wechselt er zum großen Nachbarn Borussia VfL 1900 Mönchengladbach und spielt dort zunächst in der E-Jugend, dann in verschiedenen anderen Jugendmannschaften. Er gilt als herausragendes Talent auf der linken Seite. Zweikampf, Spielverständnis und taktische Disziplin gelten als seine Stärken. 2003 und 2004 ist Marcell Jansen dann in Stemwede zu Gast – zusammen mit der Fohlen-U19. Im ersten Jahr, packt es die Truppe um den damals 17-Jährigen Marcell bis ins Finale. Damals unterliegen die Gladbacher im Elfmeterschießen gegen Bröndby IF. Ein Jahr später ist es erneut Bröndby, die die Finalträume der Gladbacher platzen lassen und zwar bereits im Halbfinale. Es gibt erneut ein Elfmeterschießen und erneut unterliegen die Gladbacher. Später verliert die Borussia auch noch das Spiel um Platz 3 gegen Besiktas Istanbul und wird schließlich Vierter. Für Marcell Jansen bleibt der zweite Auftritt in Stemwede allerdings in guter Erinnerung (Die genauen Gründe erklärt Marcell Jansen weiter unten im Interview).
Profitrainer Dick Advokaat holt den jungen Spieler in der Winterpause der Saison 2004/2005 von den Amateuren in den Profikader. In der Rückrunde setzt er sich gegen Spieler wie Filip Daems und den damaligen Mannschaftskapitän der Borussia Christian Ziege durch. Von 2004 bis 2007 bestreitet Marcell Jansen insgesamt 73 Bundesligaspiele, wobei er fünf Treffer erzielen kann. Vier Mal wird er in die deutsche U21-Nationalmannschaft berufen. Am 3. September 2005 kommt es dann zum ersten Auftritt in der A-Nationalmannschaft. Im Freundschaftsspiel gegen die Slowakei in Bratislava spielt Marcell Jansen in der zweiten Halbzeit. Ein sehr besonderer Moment, wie er selber sagt. Die Weltmeisterschaft im eigenen Land erlebt Marcell Jansen als jüngster Spieler des Kaders der deutschen Nationalmannschaft. Im Spiel um Platz 3 gegen Portugal kommt er erstmalig bei einer WM zum Einsatz. Im August 2006 wird ihm für die tolle Leistung bei der WM zusammen mit dem deutschen WM-Kader das silberne Lorbeerblatt verliehen. Es ist die höchste sportliche Auszeichnung in Deutschland. Es wird an Einzelsportler und auch an Mannschaften verliehen, die sich mehrfach international ausgezeichnet haben. Daneben müssen sich die zu Ehrenden menschlich und charakterlich vorbildlich verhalten haben. 2007 dann der nächste große Karriereschritt. Im Mai gibt der FC Bayern München die Verpflichtung von Marcell Jansen zur Bundesligasaison 2007/08 bekannt. Der Nationalspieler unterschreibt einen Vierjahresvertrag bis Ende Juni 2011. Im Jahr 2008 feiert er dann seine ersten nationalen Titel. Mit dem FC Bayern holt er das Double – Jansen wird Pokalsieger und deutscher Meister. Dennoch verlässt er nach nur einem Jahr den deutschen Rekordmeister. Am 27. August 2008 wechselt Jansen zum Hamburger SV. Er erhält einen Vertrag bis 2013. Das Konzept von Jürgen Klinsmann hatte ihn nicht recht überzeugt. So zog er einen Schlussstrich unter das Kapitel Bayern München. Inzwischen hat Marcell Jansen mehr als hundert Bundesligaspiele auf dem Buckel und spielte 29 Mal für die A-Nationalmannschaft.
Trotz seiner Erfolge und seiner zügigen Karrieresprünge ist Marcell Jansen sehr bodenständig geblieben. Nicht nur in seinen Interviews tritt er sehr sympathisch und natürlich auf. Auch abseits des Spielfeldes und ohne Kameras vor der Nase ist von eventuellen Starallüren nichts zu spüren. Das Turnier Team des TuS Stemwede hatte im Januar bei Marcell Jansen bzw. seinem Management angefragt, ob Marcell vielleicht für die Auslosung der Vorrundengruppen für den „Volksbank Cup 2009“ zur Verfügung stehen würde. Spontan gab es eine Zusage. Zusammen mit dem Kamerateam von Stemwede TV und Udo Redeker vom Hauptsponsor Volksbank Lübbecker Land besuchte das Turnier Team Marcell Jansen in seinem neuen „Wohnzimmer“, im HSV-Stadion in Hamburg. In einer Zuschauer-Loge zog der Nationalspieler nicht nur die Gruppen für das 32. Internationale A-Junioren Fußballturnier in Stemwede, sondern er stand auch in einem Interview vor den Kameras von Stemwede TV Rede und Antwort. Auszüge aus dem Gespräch lesen Sie im Folgenden:
Rainer Kröger (Turnier Team): Wir haben relativ kurzfristig bei Dir bzw. Deinem Management angefragt, ob Du für unsere Auslosung zur Verfügung stehst und Du hast spontan zugesagt. Wie stehst Du eigentlich solchen Terminen gegenüber?
Marcell Jansen: Ja, dieser Termin jetzt speziell ist schon was Besonderes für mich, denn ich war zwei Mal auf dem Turnier in Stemwede. Das letzte Mal war auch mein allerletztes A-Jugendturnier überhaupt. Es war auch in der Mannschaft – im 85er Jahrgang – damals ein komisches Gefühl zu wissen, die Jugendzeit ist vorbei. Und an diese Tage kann ich mich besonders erinnern. Vor allem auch, weil wir viel Spaß hatten und was man eigentlich nicht sagen darf – es war ja das letzte A-Jugendturnier und da durften wir an einem Abend auch raus. Wir hatten zwar eine Sperrstunde bekommen, aber die haben wir alles andere als eingehalten, weil wir gesagt haben, das ist das letzte A-Jugendturnier. Aber am nächsten Tag haben wir, ich glaube gegen Bröndby zwar verloren, aber ein sehr, sehr gutes Spiel abgeliefert. Ja und das war ganz witzig.
Rainer Kröger: Ich habe Dich vor Kurzem in einem Fernsehinterview gesehen und da ist bei mir vor allem ein Satz hängen geblieben. Da sagtest Du „mehr wie zwei Schnitzel gehen nicht!“ und während des Pfingstturniers 2004 sagtest Du bei Stemwede TV im Interview „Neben dem Fußball mache ich auch noch eine Ausbildung, mein Fachabi“. Du scheinst also recht bodenständig geblieben zu sein, oder?
Marcell Jansen: Ja, ich denke, das muss dazugehören, denn ich denke, wenn man dann mal tatsächlich in einem Beruf, oder wie ich im Fußball Erfolg hat, dann kann man das eigentlich nur richtig genießen, wenn man weiß, wo man herkommt, wie man groß geworden ist und das auch zu schätzen weiß. Denn dann schlägt es oft – meist nach der Karriere – ins Gegenteil um und dass man dann nicht mehr weiß, dass man auch wieder zurückschrauben muss und auch kann. Und ich war vorher auch genau der gleiche, glückliche Junge, wie jetzt auch. Aber ich denke auch ohne diese, ja, Bodenständigkeit wird immer gesagt, oder ohne dieses Bewusstsein, macht das auch alles gar keinen Spaß.
Rainer Kröger: Zum Turnier in Stemwede selber: Hast Du da noch irgendwelche Highlights im Kopf?
Marcell Jansen: Ja, das ganze Paket glaube ich, ist sehr sympathisch. Die ganze Organisation, das ganze Konzept, das greift einfach. Von den Mannschaften die da sind, von dem ganzen Drumherum, vom Aufbau mit dem Zelt, von dem Bewegen auf dem Sportplatz, wenn man nicht gerade spielen muss. Also es ist schon optimal. Und das war es auch, was uns allen damals so gut gefallen hat und warum wir auch heiß waren auf dieses Turnier und warum wir auch jeweils gut gespielt haben dort. Ja, und, wie gesagt, die Situation mit dem letzten A-Jugendturnier, das war eine Situation, die werde ich vermutlich mit ins Grab nehmen. Das war wie in der Schulzeit: Jetzt ist die Schule zu Ende und man geht in was Anderes über, in den nächsten Lebensabschnitt. Genauso war es mit diesem Turnier in Stemwede. Danach ging es zwar nicht direkt zum Profifußballer, sondern erst in zu den Amateuren und dann hat sich das andere bei mir ja, Gott sei Dank, auch bestätigt. Und deshalb war dieses Turnier was Besonderes, mit dem letzten Abend, den wir dann hatten – Ich glaube samstags waren wir damals los und am Sonntag haben wir dann gegen Bröndby gespielt. Und die Stimmung war super, die Leute waren alle auf unserer Seite und was die Leute natürlich nicht wussten, dass wir noch nicht ganz nüchtern waren. Die jungen Spieler waren natürlich nüchtern, die mussten ja ehrgeizig sein. Nur wir haben einmal gesündigt und der Uli Sude (Anmerk. D. Red.: der damalige Trainer von Borussia Mönchengladbach), weiß es glaube ich, bis heute nicht.
Rainer Kröger: Euer Jahrgang damals scheint ja auch ein Jahrgang gewesen zu sein, der viele gute Fußballer hervorgebracht hat. René Schnitzler spielt bei St. Pauli, Marvin Compper mittlerweile in Hoffenheim, Eugen Polanski den es zum FC Getafe nach Spanien gezogen hat und auch Tobias Levels, der noch bei Gladbach spielt. Hast Du da noch Kontakt zu den Jungs? Pflegt man diese Kontakte, trifft man sich noch, oder ist das vorbei nach der Jugend?
Marcell Jansen: Vorbei, nicht zwingend. Es ist natürlich so, dass jeder seinen Weg weiter geht. Man trifft sich ab und zu, oder telefoniert auch mal und der Kontakt ist natürlich da. Man verliert sich nie so ganz aus den Augen, denn die Fußballerwelt ist so klein. Und es ist immer wieder schön sich zu treffen, gerade wenn man so Erinnerungen wie das Turnier in Stemwede hat – ja darüber noch einmal zu sprechen, oder zu flaxen.
Rainer Kröger: Es hat sich ja viel für Dich geändert seit 2004. Erst Gladbach, dann Bayern München, jetzt Hamburg. Du bist Nationalspieler geworden. Kannst Du ein bisschen was zu Deinen Stationen erzählen?
Marcell Jansen: Ja, nach dem Turnier bin ich hochgegangen in die Amateure. Bis dann Dick Advokaat letzten Endes da war und ich den Durchbruch gemacht habe, relativ früh. Und ab da ging es dann eigentlich rasend schnell. Schon Mitte der zweiten Saison bin ich Nationalspieler geworden. Ich wurde eingeladen und durfte mein erstes Länderspiel machen, was etwas sehr Besonderes war. Ja, und dann ging das alles rasend schnell. Da hatten wir zunächst eine sehr gute Saison, in der zweiten dann sind wir leider abgestiegen und dann habe ich mich damals entschieden zu den Bayern zu gehen, unter Ottmar Hitzfeld mich weiterzuentwickeln. Natürlich mit den ganzen hochkarätigen Mannschaftskollegen die man da hat. Es war auch ein sehr schönes Jahr, ein sehr erfolgreiches Jahr. Dann hat sich bei Bayern einiges geändert und dann bin ich im zweiten Jahr nach Hamburg gegangen und habe eigentlich jeweils mit den Vereinen Glück gehabt. Auch jetzt in Hamburg, wieder ein Traditionsverein. Ich kann mich wieder weiterentwickeln, viel lernen. Und es macht einfach Spaß. Und so bin ich natürlich auch gereift mit dem Jahr Bayern und jetzt in Hamburg haben wir auch Ambitionen. Und auch in Gladbach habe ich damals viel gelernt, beispielsweise als junger Spieler im Abstiegskampf zu stehen. Nicht zu vergessen die WM, das kleine Finale. Bei der EM habe ich das große Finale gespielt, die zweite Halbzeit. Das wird einem dann immer erst später bewusst, dass man schon in einem Europameisterschaftsfinale gestanden hat. Und es motiviert einen eigentlich weiterzumachen, und ich hoffe, noch das ein oder andere mitnehmen zu können.
Rainer Kröger: Trotz Deiner jungen Jahre, denkt man da auch schon an später? Zum Beispiel an einen Trainerjob, oder Ähnliches? Oder ist das noch zu früh?
Marcell Jansen: Auf jeden Fall. Ich denke, damit kann man gar nicht früh genug anfangen, weil natürlich jetzt der Vorteil ist, dass man viele Leute kennenlernt, weil man auf einer guten Bühne ist und da habe ich mich bereits sehr früh interessiert, weil ich denke, dass meine Entwicklung – in Anführungsstrichen – „weg vom Fußball“ geht. Also nicht zum Trainer, sondern in andere Bereiche. Aber auch da weiß ich natürlich auch noch nicht genau wohin mein Lebensweg geht.
Rainer Kröger: Vielen Dank für das Interview.

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